Sat, 10 Oct 2009
Fremde Erinnerungen IIMeinen ersten Kontakt mit der Kirche des Herrn hatte ich, als uns die Geschwister F. und M. K. 1046/47 zur Versammlung nach Hamburg Altona in die Kleine Westerstaße einluden. Meine Schwester G. und ich fuhren bald regelmäßig zur Primarvereinigung und zur Sonntagschule. Das Fahrgeld verdienten wir uns bei einem Gemüsehändler. Zweimal in der Woche fuhren wir für ihn Abfälle mit dem Handwagen auf den Müllplatz und erhielten dafür jeder 50 Pfennig und manchmal Obst oder ein Kaugummi. Das Versammlunghaus in Altona war ein großes Gebäude, bei dem das Dach durch eine Bombe beschädigt war. Die Decke war fast eingestürzt, ein Teil hing durch. Auch im Winter konnte nicht geheizt werden. An diese Zeit erinnere ich noch sehr gut. Ebenso habe ich viele Geschwister von damals in guter Erinnerung behalten. Bruder K. ist heute schon alt und sehr gebrechlich. Viele der Geschwister sind in den Jahren danach ausgewandert. Die Kirche unterstützte unsere Familie in dieser Zeit großer Not mit Lebensmitteln und Kleidung. Heute leben wir in großer Fülle, daß es schon nicht mehr gut für uns ist.

Es muß im Jahr 1947 gewesen sein, daß ich sehr großen Hunger hatte. Meine Mutter konnte mir ausnahmsweise ein Stück Brot mit Margarine geben. Das war wirklich etwas außergewöhnliches, so daß ich mich noch heute daran erinnere. Später erst erfuhr ich, daß ich nur deshalb das Stück Brot bekam, weil meine Mutter an diesem Tag gar nichts gegessen hatte. Meine erste Ansprache gab ich in der Sonntagsschule in Altona. Ich sprach über Joseph Smith und seine Vision. Bruder K. hatte mir bei der Ausarbeitung geholfen. Schon bald wurden in Pinneberg Versammlungen abgehalten, und zwar in einer alten, schmutzigen Steinbaracke, die wir uns mit dem Roten Kreuz und verschiedenen Glaubensgemeinschaften teilten. Am 27. August 1949 wurden meine Mutter und meine Schwester G. und ich in Hamburg im Fluß Alster getauft. Dieses Ereignis habe ich nicht vergessen. Es hat einen sehr tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Die Umstände haben sich mir unauslöschlich eingeprägt. Es war schon fast dunkel. Wir mußten so lange warten, weil uns viele Neugierige verfolgten. Bruder S., der mich taufte und konformierte, ist später nach USA ausgewandert. […]

Mein Leben war hauptsächlich geprägt einerseits von der Armut meiner Eltern und anderseits von der Freude am Evangelium. Mit 8 Jahren habe ich begonnen, in der Schrift zu lesen, hauptsächlich im Neuen Testament. Die heilige Schrift ist mir bis heute die liebste Lektüre geblieben. Ich habe viel Erkenntnis, Weisheit, Glauben und Erleuchtung darin gefunden. […]

Nach meiner Grundwehrdienstzeit in der Deutschen Wehrmacht [sic!] wurde ich am 29. April 1962 von B. zum Amt eines Hohen Priesters ordiniert und als Mitglied des Hohen Rates des Pfahles Hamburg berufen. Bruder B. schätze ich noch heute außerordentlich. Er ist ein weiser und liebevoller Mann. Bei der Ordinierung sagte er in seinem Segen unter anderem, daß ich zur bestimmten Zeit eine Frau finden werde, die mich liebt und die ich liebe. Damit hatte ich damals große Probleme. Damit war der jüngste Hohepriester im Pfahl Hamburg und der erste in der Gemeinde Pinneberg. Dieses ist ein Zeugnis für mich, daß der Herr den liebt, der ihn sucht und der ihm dient. Meine Ordination zum Hohenpriester war nur möglich gewesen, weil ich am 16. Mai 1960 im Tempel des Herrn in Zollikofen in der Schweiz mein Endowment erhalten hatte. Das war ein außergewöhnliches Erlebnis für mich. Nur verstanden habe ich die Dinge erst heute, oder viel mehr beginne ich erst heute zu verstehen. Ich war mit den Geschwistern K. und H. und H. und A. mit einer Reisegruppe in den Tempel gefahren. Immer wenn ich in den Tempel zurückgekehrt bin, hatte ich das glückliche Gefühl, zu Hause zu sein.
tbc.