Fri, 14 Aug 2009
TatortDas Internet ist der größte Tatort der Welt!
Mit knappem Abstand auf Platz zwei: das Festland.
Wed, 19 Jan 2005
DBAs und professioneller Einsatz freier SoftwareWahnsinn. Ich durfte gestern einem echten Oracle[tm] Database Administrator bei der Arbeit zuschauen. Wie er Oraclekram unter LINUX!!! (wahrscheinlich Suse) zum Laufen bringt. Voll krass, ey.
Mir kams ja schon fast hoch, als ich dieses Terminal mit blassgelbem Hintergrund gesehen habe. Aber gut, die Geschmäcker sind ja verschieden. Er hat dann geguckt, wie weit sein Kollege gekommen ist. Ging so. Der wiederum dachte, alles müsste jetzt laufen. Dazu hätte er vielleicht die Anleitung lesen, sie verstehen und ihr lückenlos, bis zum Ende folgen sollen. Ging wohl nicht. Wie auch immer. Der von Oracle mitgelieferte Apach^W"Oracle Webserver" lief irgendwie, aber offensichtlich fand er irgendwelche Bilder nicht.
Was folgte, war Schmerz. Oracle installiert sich irgendwo unter
/opt/oracle/product/$version/oracle/foo - mit ungefähr
zwölf Unterverzeichnissen, die wiederum jeweils alle nochmal sowas wie
bin/ und conf/ enthalten. Teilweise fielen mir
auch gewisse Redundanzen auf. In naivsten Tönen erwähnte ich die
Existenz von Sachen wie Paketmanagementsoftware (er kannte nichtmal
RPMs) und versuchte es mit Beleidigungen wie "Das sieht ja aus wie
C:\Programme!" und entschuldigte mich damit, daß ich von meinem kleinen
Homeusersystem Debian gewöhnt sei, daß Konfigurationsdateien in
/etc/ liegen und Binaries in /bin bzw.
/usr/bin und so weiter. Das sei schon gut so, wurde ich
belehrt. Was ich schildere wäre doch genau das, was man Windows
vorwirft, weil die alles so ins System integrieren und so. Bla.
Wahrscheinlich haben die auch ihre eigene libc mitgebracht. Trotz des
tollen Ordnersystems von Oracle haben wir erstaunlich viel Zeit damit
verbracht, Dateien zu suchen. Unnötig auch zu erwähnen, daß Oracle es
nicht für nötig hält, vernünftige init-Skripte für seine Services
mitzuliefern sondern stattdessen einen eigenen Daemon, den man
ansprechen muß, wenn man sowas wie den "Oracle Webserver" starten will.
Da diskutiert man auf debian-devel über den FHS und was man noch alles
machen müßte, damit Debian mal von @big_vendors supported wird, dabei
scheißen die eh auf jeden Standard.
Wie auch immer, der DBA versuchte nun also den Punkt in der Anleitung
zu finden, an dem sein Kollege ausgestiegen war. Es gab mehrere.
Kompliziert wurde die Sache noch dadurch, daß das eine Anleitung
für verschiedene Situationen war (Neinstallation/Upgrade,
mit/ohne Application Server...) und dementsprechend waren einige
Abschnitte quasi konditional. Man mußte also lesen, was sich als
nicht ganz einfach gestaltete. Ich musste mich mehrfach an meiner
Kaffeetasse festkrallen, weil ich schon in den ersten 30-40 Minuten das
Gefühl hatte unangenehm klugzuscheißen. Wir einigten uns dann darauf,
daß wir uns möglichst stur an die Anleitung halten - was mir wiederum
teilweise sehr albern vorkam, weil Konfigurationen doppelt erstellt und
Verzeichnisse dupliziert wurden und außerdem gewisse Schwierigkeiten
beim Verständnis der englischsprachigen Anleitung bestanden. "Du
gehst wohl auch bei rot über die Strasse"! - "Ja sicher. Wenn keiner
kommt"? Über die Unkenntnis gewisser hilfreicher Shortcuts wie
Esc-. und das ständige Einfügen aus dem Clipboard mit
der Maus breite ich mal den Mantel des Schweigens. Oh, sein Passwort
hat er übrigens auch per Copy&Paste übernommen. ;-) Da lohnt sich der
Einsatz von SecureCRT
richtig!!! Dessen hervorstechendstes Feature scheint mir übrigens der
Menüpunkt "Copy & Paste" (ja, in einem!) im Kontextmenü zu sein.
Naja. Es trafen wohl unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinander. Unverständnis beiderseits. Irgendwann kommentierte ich ein tolles Bash-Feature (tab completion mit automatischer Variablenexpansion) mit "Mann, ist das toll" oder so und ich bekam als Antwort "Das kann Dein Debian wohl nicht". Traurig, traurig. Ich hatte nicht erwartet den üblichen Konflikt zwischen "normalen Menschen" und Techie-Generation auch in dieser Branche zu finden.
Ich stelle immer wieder fest, daß ich ganz dringend einen Job in einer dunklen Geekbude brauche. Vier Jahre Usenet haben mich dermassen desozialisiert, ich bin für nix mehr zu gebrauchen. Und die Kategorisierungen meiner Posts stinkt.
P.S. Wir habens noch hingekriegt.