[well-adjusted blog]
25c3 Ach! abhängigkeit abschied absicht alltag angst anliegen apple arschloch aufklärung aufstieg awesome berufung besserwisser blog bots bullshit bürgertum clay shirky colbert darten deja vu demokratie der don desinformation die da oben dns dvd döner einsicht empathie erinnerung erkenntnis fall familie fassungslosigkeit fastcgi fdgo fett ffmpeg flash fortschritt frei freitag fuck fuckup fun füße gay gedankensprung gefängnis geschichtsklitterung gewalt google gott hausarbeit hilfe hingabe idiotie ipv6 irrsinn java kaltes bett kaputt katzen konsum krypto kundendienst lala laugh lebenshilfe leid liebe linux lvm läuterung lügen macht meta microsoft missverständnis moral mormonen mut nerd nethack netz news offline online pappnasen physik polemik pr0n py pyblosxom quote radiohead raffgier recht restructured text rockbox scala schade schwurbel scott adams selbst schuld selbstdarstellung selbstverschulden sex skurril snooker steve davis stille swmbo symbolik tag am meer tauss tech thom toy trauer tv ulla unglaublich unrecht untergang unterstützung unverständnis unwissen user- interface verblendung vergebung versagen verstand vorfreude web.de weisheit widerstand wrumm wtf wut yasd zweifel

Sat, 10 Oct 2009

Fremde Erinnerungen II

[Erster Teil]

Meinen ersten Kontakt mit der Kirche des Herrn hatte ich, als uns die Geschwister F. und M. K. 1046/47 zur Versammlung nach Hamburg Altona in die Kleine Westerstaße einluden. Meine Schwester G. und ich fuhren bald regelmäßig zur Primarvereinigung und zur Sonntagschule. Das Fahrgeld verdienten wir uns bei einem Gemüsehändler. Zweimal in der Woche fuhren wir für ihn Abfälle mit dem Handwagen auf den Müllplatz und erhielten dafür jeder 50 Pfennig und manchmal Obst oder ein Kaugummi. Das Versammlunghaus in Altona war ein großes Gebäude, bei dem das Dach durch eine Bombe beschädigt war. Die Decke war fast eingestürzt, ein Teil hing durch. Auch im Winter konnte nicht geheizt werden. An diese Zeit erinnere ich noch sehr gut. Ebenso habe ich viele Geschwister von damals in guter Erinnerung behalten. Bruder K. ist heute schon alt und sehr gebrechlich. Viele der Geschwister sind in den Jahren danach ausgewandert. Die Kirche unterstützte unsere Familie in dieser Zeit großer Not mit Lebensmitteln und Kleidung. Heute leben wir in großer Fülle, daß es schon nicht mehr gut für uns ist.
http://well-adjusted.de/~jrschulz/gfx/familie/08.ier-1953.jpg
Es muß im Jahr 1947 gewesen sein, daß ich sehr großen Hunger hatte. Meine Mutter konnte mir ausnahmsweise ein Stück Brot mit Margarine geben. Das war wirklich etwas außergewöhnliches, so daß ich mich noch heute daran erinnere. Später erst erfuhr ich, daß ich nur deshalb das Stück Brot bekam, weil meine Mutter an diesem Tag gar nichts gegessen hatte. Meine erste Ansprache gab ich in der Sonntagsschule in Altona. Ich sprach über Joseph Smith und seine Vision. Bruder K. hatte mir bei der Ausarbeitung geholfen. Schon bald wurden in Pinneberg Versammlungen abgehalten, und zwar in einer alten, schmutzigen Steinbaracke, die wir uns mit dem Roten Kreuz und verschiedenen Glaubensgemeinschaften teilten. Am 27. August 1949 wurden meine Mutter und meine Schwester G. und ich in Hamburg im Fluß Alster getauft. Dieses Ereignis habe ich nicht vergessen. Es hat einen sehr tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Die Umstände haben sich mir unauslöschlich eingeprägt. Es war schon fast dunkel. Wir mußten so lange warten, weil uns viele Neugierige verfolgten. Bruder S., der mich taufte und konformierte, ist später nach USA ausgewandert. […]
http://well-adjusted.de/~jrschulz/gfx/familie/04.w-1948.jpg
Mein Leben war hauptsächlich geprägt einerseits von der Armut meiner Eltern und anderseits von der Freude am Evangelium. Mit 8 Jahren habe ich begonnen, in der Schrift zu lesen, hauptsächlich im Neuen Testament. Die heilige Schrift ist mir bis heute die liebste Lektüre geblieben. Ich habe viel Erkenntnis, Weisheit, Glauben und Erleuchtung darin gefunden. […]
http://well-adjusted.de/~jrschulz/gfx/familie/05.w-196.jpg
Nach meiner Grundwehrdienstzeit in der Deutschen Wehrmacht [sic!] wurde ich am 29. April 1962 von B. zum Amt eines Hohen Priesters ordiniert und als Mitglied des Hohen Rates des Pfahles Hamburg berufen. Bruder B. schätze ich noch heute außerordentlich. Er ist ein weiser und liebevoller Mann. Bei der Ordinierung sagte er in seinem Segen unter anderem, daß ich zur bestimmten Zeit eine Frau finden werde, die mich liebt und die ich liebe. Damit hatte ich damals große Probleme. Damit war der jüngste Hohepriester im Pfahl Hamburg und der erste in der Gemeinde Pinneberg. Dieses ist ein Zeugnis für mich, daß der Herr den liebt, der ihn sucht und der ihm dient. Meine Ordination zum Hohenpriester war nur möglich gewesen, weil ich am 16. Mai 1960 im Tempel des Herrn in Zollikofen in der Schweiz mein Endowment erhalten hatte. Das war ein außergewöhnliches Erlebnis für mich. Nur verstanden habe ich die Dinge erst heute, oder viel mehr beginne ich erst heute zu verstehen. Ich war mit den Geschwistern K. und H. und H. und A. mit einer Reisegruppe in den Tempel gefahren. Immer wenn ich in den Tempel zurückgekehrt bin, hatte ich das glückliche Gefühl, zu Hause zu sein.

tbc.

[21:21] | Kommentare | Tags , ,


Sat, 01 Aug 2009

Spiritual Abuse

Auf einer (wahrscheinlich der) Exmo-Mailingliste:

And not all organizations, religious or otherwise, engage in spiritual abuse. Sadly the author lacks the ability to differentiate between them.
[22:05] | Kommentare | Tags ,


Thu, 09 Jul 2009

Mr Deity

Gottes Schwierigkeiten im Alltag: Mr Deity. Der Hauptdarsteller ist übrigens mal Mormone gewesen.

Auf "Episodes" klicken, die Seite ist ziemlich beknackt.

I don't know know where we would find 72 virgins.

I don't know either. Maybe Utah?

No, they're actually down to 67 on last count.

(s2ep8)

[16:25] | Kommentare | Tags , , ,


Sat, 18 Apr 2009

The National Organization for Colbert

The Colbert Coalition's Anti-Gay Marriage Ad

Paid for by generous donations from an anonymous group that may or may not be the Church of Jesus Christ of Latter Day Saints

(Hintergrund: in Kalifornien wurden bei einer Art Volksentscheid vor nicht allzu langer Zeit gleichgeschlechtliche Ehen wieder abgeschafft. Die dazugehörige politische Kampagne wurde erheblich von Mormonen mitfinanziert. Da haben manche Leute das Ersparte fürs College ihrer Kinder weggegeben, nachdem die kirchlichen "Authoritäten" entsprechend auf sie eingewirkt haben. Und die Kirche selbst hat natürlich auch was beigesteuert.)

[01:45] | Kommentare | Tags , ,


Thu, 14 Feb 2008

Identitätskrise

Mormons are muslims, who say they are christians and liked to be jews.

Gar nicht so weit hergeholt. :)

[14:58] | Kommentare | Tags


Sun, 16 Dec 2007

Mitt Romney

In den·USA hat die Religion im öffentlichen Leben ja doch einen etwas anderen Stellenwert als bei uns. Das bringt uns momentan in die Lage, eine ganz interessante Debatte von außen zu verfolgen. Unter den Kandidaten der Republikaner für die Präsidentschaft findet sich auch ein Mormone: Mitt Romney.

Witzig ist, aus wie vielen verschiedenen Positionen Romney für seine Religion auf den Kopf kriegt. Für die einen ist er nicht christlich genug, für die anderen viel zu sehr. Um konkrete Glaubensinhalte geht es aber leider wenig, weil sich die Wenigsten mit den schmutzigen Details auskennen. Andere finden, das Thema eigne sich von vornherein nicht für politische Schlammschlachten, weil das ja doch eine sehr persönliche Sache sei und von vornherein keiner inhaltlichen Auseinandersetzung zugänglich. Und Romney und die Kirche selbst üben sich nur in Marketing.

Ein Journalist hat jetzt anscheinend mehrfach auf den Sack gekriegt, weil er Romney aufgrund seines öffentlichen Bekenntnisses zu seinem Glauben attackiert hat. Darauf hat er wiederum geantwortet:

The more you know about Romney's religion, the more you want to ask him questions about it. Your religion was founded by an alcoholic criminal named Joseph Smith who committed bank fraud and claimed God told him polygamy was cool after his first wife caught him having an affair with the maid and who then went on to have 33 wives, and you really believe every word that he said and wrote? Do you really believe that the American Indian is genetically descended from Israelites? Would it shake your belief if DNA testing showed no such relationship between Indian tribes and Jews? Do you really believe that Jesus Christ came to America? Do you really believe that your possible general election opponent, Barack Obama, is black because his people turned away from God? Are you in favor of big increases in federal funding for Missouri or turning the site of the Garden of Eden into a national park?

Da stellt sich dann doch die Frage, wo die religiöse Toleranz aufhört. Bei mir setzt sich so langsam die ernsthafte Auffassung durch, dass sich Menschen jedweden Glaubens durchaus gefallen lassen müssen, wenn ihre Überzeugungen in allgemeine Kritik an ihrer Person einfließen.

(An dem Artikel sieht man leider übrigens schön, dass Zeitungsblogger ein Problem haben: sie wollen oder dürfen anscheinend keine Links auf Konkurrenzangebote setzen. Auf sechs Bildschrimseiten Text nur ein einziger Link. Und der zeigt aufs eigene Angebot.)

[22:11] | Kommentare | Tags , ,


Sat, 18 Aug 2007

Mormon Gay Porn

(Link)

Irgendwann kommt hier bestimmt auch wieder nicht-religiöser Content.

[23:27] | Kommentare | Tags ,


Thu, 19 Jul 2007

Wife No. 19

Wife No. 19 (alternative Formate bei archive.org) von Ann Eliza Young. Die arme war eine von Brigham Youngs vielen Frauen, der wiederum der zweite Präsident ("Prophet") der Mormonen war. Direkter Nachfolger des Religionsstifters Joseph Smith.

Nachdem ich im letzten Jahr so einiges darüber gelernt habe, wie sich der Verein heute verhält, ist es sehr interessant zu lesen, wie sich die Sache in der Frühezit entwickelt hat. Nicht nur, dass die frühen "Heiligen" einiges an äußerem Druck zu ertragen hatten. (Es ist kein Zufall, dass sie sich gerade im unwirtlichen Utah niedergelassen haben.) Die heute allen Mormonen (mehr oder weniger) bekannten "Offenbarungen" kamen damals alle erst nach und nach und wurden teilweise erst geheim gehalten – wohl zum Einen, um den äußeren Druck nicht unnötig zu verstärken, zum Anderen aber sicher auch um weniger stark überzeugte Anhänger nicht zu verlieren.

Die Einführung der Polygamie wurde aus ebendiesen Gründen erst auch geheim gehalten. Wie sich mindestens eine Frau dabei gefühlt hat, ist in dem Buch nachzulesen:

A gentleman visiting Salt Lake City for the first time once
asked me where polygamy hurt the most.

"It hurts all over, body and soul, mind and heart, was my reply.
 "I can't tell a spot that it does not hurt."

Dabei wird eine unglaublich perfide Strategie deutlich, die auch heute noch bei den Mormonen angewandt wird: Zweifel an der Lehre werden zu Persönlichkeitsschwächen umgedeutet:

"I don't understand it, he would say; "you were willing at first.
What is the difficulty now? Don't you think Elizabeth a good,
true girl?"

"Yes, indeed," was always the reply; for my mother was too just a
woman to do even a rival a wrong.

"Don't you believe in polygamy, then?" he would ask, determined
to get to the bottom of the mystery.

"Yes, I suppose so. I wish to live my religion," was the dreary
reply.

"Well, what is to be done about it?" was the next anxious
question.

"O, I don't know," my mother would say, in bitter despair; "but I
can't endure this life.

"And yet you entered it voluntarily. I don't understand you; you
are strangely inconsistent." 

Aber das ist nicht das einzige Verbrechen an den Gläubigen (und Ungläubigen), dass in dem Buch mit viel Empathie geschildert wird. Und es geht auch um deutlich konkretere Verbrechen:

"Will you love your brothers and sisters when they have a sin
that cannot be atoned for without the shedding of their blood?
Will you love that man or that woman well enough· to shed their
blood? That is what Jesus meant.

"The time will come when the law of God will be in full force.
This is loving our neighbor as ourself: if he needs help, help
him; if he wants salvation, and it is necessary to spill his
blood upon the earth in order that he may be saved, spill it." 

Ich werds bestimmt nicht komplett lesen, aber auch schon ein paar Kapitel erzeugen einen sehr plastischen Eindruck von dem Geschehen.

[23:50] | Kommentare | Tags , , ,


Fri, 11 May 2007

Aversion hier und dort

Je tiefer man gräbt, desto mehr Scheiße findet man: Aversionstherapie an der BYU (Teil 2, Teil 3). Die BYU ist die größte (einzige?) von Mormonen geführte Uni. Der Honor Code sagt alles.

[08:03] | Kommentare | Tags , ,


Sat, 24 Feb 2007

To young men only

Ich wollte es eigentlich kürzen, aber dabei ginge doch zuviel verloren. To Young Men Only, von Boyd K. Packer, damals und heute Mitglied der "zwölf Apostel":

I wish to explain something that will help you understand your young manhood and help you develop self-control. When this power begins to form, it might be likened to having a little factory in your body, one designed to produce the product that can generate life.

This little factory moves quietly into operation as a normal and expected pattern of growth and begins to produce the lifegiving substance. It will do so perhaps as long as you live. It works very slowly. That is the way it should be. For the most part, unless you tamper with it, you will hardly be aware that it is working at all.

As you move closer to manhood, this little factory will sometimes produce an oversupply of this substance. The Lord has provided a way for that to be released. It will happen without any help or without any resistance from you. Perhaps, one night you will have a dream. In the course of it the release valve that controls the factory will open and release all that is excess.

The factory and automatic release work on their own schedule. The Lord intended it to be that way. It is to regulate itself. This will not happen very often. You may go a longer period of time, and there will be no need for this to occur. When it does, you should not feel guilty. It is the nature of young manhood and is part of becoming a man.

There is; however, something you should not do. Sometimes a young man does not understand. Perhaps he is encouraged by unwise or unworthy companions to tamper with that factory. He might fondle himself and open that release valve. This you shouldn't do, for if you do that, the little factory will speed up. You will then be tempted again and again to release it. You can quickly be subjected to a habit, one that is not worthy, one that will leave you feeling depressed and feeling guilty. [...]

Schönes Beispiel für zwei Dinge: selbsterfüllende Prophezeiungen und Authorität durch das Einreden von Schuld.

[16:43] | Kommentare | Tags , ,


Tue, 19 Dec 2006

Interpretationshilfe

Kleiner Hinweis zu Scott Adams:

If a guy shows up for a job interview and tells you his religion requires him to wear a stuffed rhino penis as a hat, you can show him the door. But if he says his prophet walked on water, or rode to heaven on a flying horse, you slap a name tag on his cubicle and hope for the best. If he thinks he might have reincarnated from a caterpillar, sign him up. If he says he’s wearing special underpants to ward off evil, put him on the fast track.

Mit dem letzten Satz spielt er auf (Achtung, explicit content!) Mormonen an. (Das aktuell zweite Bild ist übrigens nicht die heilige Unterwäsche, sondern die heilige Tempelklamotte.)

[23:14] | 0 Kommentare | Tags , ,


Mon, 09 Oct 2006

Mormon no More

(Warnung: dieses Posting ist teilweise ziemlich wild mit Links gespickt, von denen sicher nicht alle für Dich interessant sind. Es gibt einfach zu viele inhaltliche Überschneidungen und letztlich entscheidet Dein Kenntnisstand und Interesse, was wichtig ist. Wenn Du Mormonen nicht wirklich kennst, ist der zweite Link im nachfolgenden Text auf jeden Fall zu empfehlen. Zum besseren Verständnis der Seiten hilft vielleicht auch ein Glossar: englisch, deutsch.)

Wie angekündigt kommen hier ein paar Worte zum Thema Mormonen oder Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, wie die sich offiziell nennen. Da sich hier anscheinend inzwischen gelegentlich Leser einfinden, die mich nicht persönlich kennen: ich bin in dieser Kirche aufgewachsen und war dementsprechend bisher auch ein Mitglied. Seit ich sechzehn bin allerdings nur noch passiv (im Sinne von: ich stand halt auf der Mitgliederliste) und es hätte einige Gründe gegeben, mich aus dem Verein rauszuschmeißen. Aber ich bin denen zuvorgekommen:

Lieber XXX,

Mit diesem Brief gebe ich, Jochen Schulz, geboren am 27.
Februar 1981, meine -- seit bald zehn Jahren sowieso nur
noch formal bestehende -- Mitgliedschaft in der Kirche Jesu
Christi der Heiligen der Letzten Tage mit sofortiger Wirkung
auf. Ich möchte von jetzt an nicht mehr als Mitglied der
Kirche behandelt werden und Gegenstand von kirchlichen
Vorgängen, Entscheidungen oder offiziellen Bewertungen
entsprechend der kirchlichen Glaubensgrundsätze sein. Bitte
erledige alles, was nötig ist, dass mein Name aus den Akten
der Kirche entfernt wird.

Mir ist die -- aus Sicht der Kirche -- Schwere der
Konsequenzen dieser Entscheidung, wie sie im "`Church
Handbook of Instructions"' beschrieben sind, voll bewußt.
Ich habe diese Entscheidung nicht leichtfertig oder spontan
getroffen und werde sie in absehbarer Zeit nicht widerrufen.
Deswegen wünsche ich auch keine weitere Bedenkzeit,
Interviews oder Besuche.

Ich bitte darum, dass diese Anglegenheit zügig und
vertraulich behandelt wird. Der einzige Kontakt, den ich von
der Kirche wünsche, ist die schriftliche Bestätigung meines
Austritts.

Mit freundlichen Grüßen

/me

Ich bin ja gespannt, wie darauf reagiert wird. Der Text ist größtenteils eine Übersetzung des Beispielbriefs auf mormonnomore.com. Teilweise stützt er sich auf US-amerikanisches Recht, wonach so ein Austritt mit dem Empfang Gültigkeit hat. Für Deutschland habe ich da nichts Anwendbares gefunden, gehe aber erstmal davon aus, dass die meinem Willen folgen. In den USA gab es wohl mal den einen oder anderen millionenschweren Prozess, weil die Kirche jemanden (in einem "Kirchengericht") exkommunizieren wollte, der schon längst ausgetreten war. Sie hat's dann gelassen. :)

Warum mache ich das? Und warum gerade jetzt? -Interessante Frage. Wie erwähnt habe ich in meiner Jugend sowieso mit dem Verein gebrochen. Der damalige Grund dafür war einfach, dass mir nicht nur der Glaube fehlte, sondern sich wirklich alles in mir gegen die Regeln und psychologischen Mechanismen (wirklich guter Text, aber furchtbar lang!) sträubte. Wie es so in diesem Alter ist, begann ich gerade erst damit, mich selbst zu entdecken. Ich las Narziß und Goldmund von Hermann Hesse und später Alice Miller. Und währenddessen wollten die Leute ständig von mir, dass ich bete und "in mich hineinhöre", ob der Heilige Geist mir mir nicht etwas zu sagen hat. Und es war natürlich klar, dass er mir nicht irgendetwas sagen würde, sondern wenn ich wirklich ernsthaft bete, dann würde ich wissen, dass all die äußerst merkwürdigen Geschichten (deren Umfang mir damals noch nicht einmal klar war!) wahr sind. Ich bin wirklich kein großer Mathematiker, aber beten, ob es einen Gott gibt? Für mich war klar, dass ich aus diesem Teufelskreis nicht unbeschadet entkommen könnte. Gleichzeitig wurde mir auch klar gemacht, dass für mich selbst als Persönlichkeit in dieser Gemeinschaft kein Platz sein würde. Alles, was ich als untrennbar mit meiner Person betrachtete, hatte keinen Platz in diesem Leben. Der natürliche Mensch ist ein Feind Gottes habe ich gelernt. Das läßt nicht viel Interpretationsspielraum.

Und es ist nicht so, dass ich es nicht versucht hätte. Oft genug habe ich bewußt versucht, mich selbst auszutricksen. Ich habe an allen Veranstaltungen teilgenommen, die es so für Jugendliche gibt. Und das sind viele, denn die Kirche möchte ihre Mitglieder ein gutes Stück weit vor der Welt da draußen beschützen. Ich war sogar in einem ihrer Tempel, um mich für die Toten taufen zu lassen. Weltfremder gehts nimmer. Und, um mich zu wiederholen, ich wußte ja noch nicht einmal, was da alles passiert (die ganze Seite von Richard Packham ist übrigens großartig). Von der teilweise blutigen Kirchengeschichte, rassistischen Lehren, Frauenfeindlichkeit und historischen Widersprüchen ganz zu schweigen.

Tja, damals wußte ich vieles noch nicht einmal. Aber intuitiv habe ich mich – wie so oft – für meine geistige Gesundheit entschieden. Toll, wie das immer wieder funktioniert. :) Aber direkt nach dem ich mich entschlossen habe, dass ich von denen nix mehr will, hatte ich weder Lust noch die Kraft, mich damit auseinanderzusetzen. Außerdem war die Quellenlage noch nicht ganz so gut wie heute. Die letzten Jahre habe ich immer mal wieder an Austritt gedacht, es ist aber nie soweit gekommen. Es gab sogar ein Gespräch mit einem Kirchenvertreter (den ich persönlich sehr schätze), in dem ich meinen Wunsch auszutreten thematisiert habe. Aber selbst, wenn man austritt, wollen die einem noch ihre Regeln aufdrücken. Während meiner Diplomarbeit habe ich mich dann nebenbei (weiß Gott, wie es dazu kam!) mal wieder damit beschäftigt und dabei einiges über den Verein gelernt. Unter anderem las ich eben, wie man den Kirchenaustritt am besten bewerkstelligt und warum die sich das so kompliziert machen. Neulich rief dann ein armes Schäfchen an um mich zu fragen, ob ich nicht mal wieder Besuch bekommen möchte. Er tat mir tatsächlich etwas leid, weil er hörbar unsicher war und ich zudem noch belustigt. Ich habe aber die Chance ergriffen und ihn nach dem Namen und der Adresse des aktuellen Bischofs in "meiner Gemeinde" gefragt. Damit hatte ich dann alles beisammen, was ich brauchte und ich habe Freitag den oben zitierten Brief abgeschickt.

Gutes Gefühl.

[12:38] | 2 Kommentare | Tags , ,