03
Quellanker

Ich lese ja seit einiger Zeit gern Urteile vom BGH oder BVerfG. Heute über heise:

Der Name des Softwareprodukts war innerhalb der Meldung als Quellanker eines Hyperlinks ausgestaltet, dessen Zielanker auf die Portalseite des Internetauftritts der Herstellerin führte. Die Portalseite der Herstellerin eröffnet den Zugang zu einer Unterseite, von der aus das Softwareprodukt im Wege so genannten Herunterladens bezogen werden kann.

Parallelen

Ich weiß ja nicht, ob es nur ein blöder Spleen von mir ist, aber mir fallen seit Jahren Parallelen zwischen den 1920ern/30ern und dem aktuellen "heute" auf. Jetzt lese ich Sebastian Haffner:

Wenn die Kommunisten den Reichstag angesteckt hatten, war es doch ganz in Ordnung, dass die Regierung "hart zupackte"![...] Aber keiner fand etwas Besonderes dabei, dass man in Zukunft seine Telefongespräche belauschen, seine Briefe öffnen und seinen Schreibtisch erbrechen durfte. "Ich empfinde es als persönliche Beleidigung", sagte ich, "dass man mich verhindert, zu lesen welche Zeitung ich will – weil angeblich ein Kommunist den Reichstag angesteckt hat. Sie nicht?" Einer antwortete fröhlich und harmlos: "Nein. Wieso? Lasen Sie denn etwa bis jetzt den 'Vorwärts' und 'Die Rote Fahne'?"

Zum gleichen Thema unser Innenminister vor wenigen Wochen:

Außerdem bin ich anständig, mir muss das BKA keine Trojaner schicken.

Was bleibt einem da noch außer wüsten Beschimpfungen und eben dieses Gefühl persönlicher Beleidigung?

Endlich

Mit mencoder konnte ich mich ja noch nie anfreunden, der war mir immer zu kompliziert. Und die GUIs dafür sind notorisch kaputt. Endlich die Lösung:

$ lsdvd
Disc Title: TRAINSPOTTING
Title: 01, Length: 01:29:40.180 Chapters: 24, Cells: 24, Audio streams: 08, Subpictures: 32
Title: 02, Length: 00:04:49.280 Chapters: 01, Cells: 01, Audio streams: 08, Subpictures: 32
[...]
Longest track: 01

Also Track 1 dumpen (in Zeiten, wo 400GB-Platten das beste Preis/Leistungsverhältnis haben...):

mplayer -dumpstream -dumpfile trainspotting.dump dvd://1

Und dann einfach (bzw. two-pass) encoden:

$ ffmpeg -i trainspotting.dump -r 25 -vcodec xvid -b 1400k -pass 1 -s
640x360 -an -y trainspotting.avi
&& ffmpeg -i trainspotting.dump -r 25 -vcodec xvid -b 1400k -pass 2 -s
640x360 -acodec mp3 -ab 128 -ar 44100 -ac 2 -y trainspotting.avi

Xvid mit 1400kBit/s, 640x360, 25fps. Im ersten pass braucht man den Ton nicht mitkodieren, daher -an. Im zweiten pass dann mit MP3 in brauchbarer Qualität. Man weiß zwar vorher nicht, wie groß die Datei genau wird, aber die Zeiten, wo man n-mal 700MB haben wollte, sind ja eh vorbei. Nur mit dem cropping muss ich mich nochmal auseinandersetzen.

H.264 statt Xvid geht zwar manchmal, braucht aber doppelt so lange und gelegentlich kommen da Dateien raus, die mplayer nicht abspielt. Aber egal. Alles so schön einfach.

Und das Witzigste: ich brauch das für die Arbeit. Also nicht diesen Film, aber ffmpeg.

Debian Security

Eben auf debian-user-german gefunden: Listen der offenen Sicherheitslücken in stable und testing.

Schade, dass man das nicht auf der offiziellen Seite findet. Und überraschend, dass die zweite Liste kürzer ist.

Die Auszeit dieses Servers von gestern bis heute mittag ist übrigens einer Verkettung unglücklicher Umstände zu verdanken. Kurz nachdem ich eine äußerst kompetente und freundliche Person am Telefon hatte (die mir auch noch mein NTP-Problem gelöst hat), ging alles wieder glatt. Aber merke: chrony und Xen verstehen sich irgendwie nicht. Dafür weiß ich jetzt sicher, dass zustellende MTAs auch kein Problem damit haben, wenn der Zielhost einen Tag lang nicht verfügbar ist. Und, dass es überhaupt kein Problem ist, hier mehr als hundertfünfzig Mails pro Minute anzunehmen.

Too complex
Jim Hyslop wrote:
[...]
> Comment: Using GnuPG with Thunderbird - http://enigmail.mozdev.org

Every couple of years we tinker with using encryption on our email
at the university campus where I work; we'd love to get everyone
using encryption. But it's just too complex for the average PhD.

Kent West in debian-user

.

Unfassbar

Note to self: falls ich nochmal gefragt werde, warum es absolut keine Rechtfertigung dafür gibt, die Bild zu lesen:

Es ist unfassbar, dass eine Mörderin in unserem Land die Chance hat, glücklich zu werden.

(via)

Bücher und ich

Wahnsinn, ich habe gerade nochmal nachgeschaut: seit mehr als zwei Jahren Blog und heute das erste Stöckchen. Und das ist gut so. Dieses finde ich aber gut, weil ich in den letzten Monaten ausnahmsweise mal wieder viel gelesen habe. Danke, also. Weil ich aber eben sowieso schon eine grobe Vorstellung von diesem Posting habe, mach ich das jetzt etwas anders. Erst kommt, was ich in der letzten Zeit gelesen habe und dann gibt es Antworten auf ausgewählte Fragen. :)

Noam Chomsky

Nach "Hegemony or Survival" hab ich mich an den Klassiker rangemacht, "Manufacturing Consent". Hab nicht durchgehalten und nach einem Drittel aufgegeben. Sein Ton ist ja sowieso gelegentlich etwas anstrengend, aber ausschlaggebend war in diesem Fall, dass ich den Eindruck hatte, dass der sich eigentlich auf jeder Seite wiederholt. Diesen Eindruck hatte ich auch anfangs bei "Profit over People", einer mehr oder weniger losen Sammlung von Artikeln und/oder Reden. Der ist aber dann schnell verflogen. Extrem empfehlenswert.

Lesen.

Joel Bakan, The Corporation

Erst Film gucken (hm, den gab's auch mal am Stück irgendwo per Bittorrent, voll legal), dann bei Gefallen lesen. Dieser Ansatz zur Erklärung der Welt findet sich auch in "Profit over People" von Chomsky. Außerdem hatte ich da schon mal was. Verry intrrsting.

Joseph Weizenbaum, Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft

Oft gedacht: "Ja, Du hast ja Recht, aber irgendwie nervst Du trotzdem."

André Willms, C++-Programmierung

Wenn man weiß, was ein Integer ist, kann man die erste Hälfte überschlagen. Aber dann wird's spannend und für jemanden wie mich, dem Java nicht high-level genug ist (hm, vielleicht fehlen auch nur libs), ein wenig interessant. Interessant wie in "Oh schau, ein widerliches Insekt!" Hab anschließend auch nicht wirklich damit weitergespielt.

Jeffrey Eugenides, The Virgin Suicides

In der deutschen Übersetzung übrigens in Bild-Niveau "Die Selbstmordschwestern". Es geht um Jungs in einer Ami-Vorstadt, die den Verfall einer Familie und den Selbstmord der fünf Töchter beobachten. Ich hab ja einen Faible für das Thema und finde die Geschichte sehr gut erzählt. Könnte etwas "analytischer" sein, aber im Grunde gewinnt das Buch gerade durch die distanzierte Erzählung und die große Unklarheit. Dazu unbedingt das gleichnamige Album von Air hören (darüber bin ich erst zu dem Buch gekommen, denn das Album ist der Soundtrack zur Verfilmung, die ich noch sehen muss). Beim Finale dann "Dead Bodies" auf Repeat stellen. Wird übrigens auch gern bei "Germany's Next Topmodel" eingespielt. ;-)

Philip K. Dick, A Scanner Darkly

Bin dazu gekommen, weil ich einen Trailer zum Film sah und begeistert war. Story in einem Halbsatz: verdeckter Drogenermittler wird auf sich selbst angesetzt und wird verrückt. Den Film hab ich inzwischen auf DVD und er hält größtenteils, was der Trailer versprochen hat. Die Story hängt aber ein wenig durch und das Ende ist dann etwas verwirrender, als im Buch. Das Buch vorher zu lesen ist auf jeden Fall eine gute Idee, allein schon weil es den Film AFAIK noch nicht auf deutsch gibt, Woody Harrelson nuschelt und Robert Downey Jr. viel zu schnell unverständlichen Scheiß redet. Aber eine großartige Rolle. Empfehlenswert.

Max Goldt, Die Kugeln in unseren Köpfen

Sammlung von Titanic-Artikeln. Entspannung ohne Reue.

Ach, und den Haffner hätt ich fast vergessen. Besser als alles, was ich in der Schulzeit zu dem Thema gelesen hab.


Gebunden oder Taschenbuch? Reine Preisfrage, also bei Selbstkauf: letzteres. Hatte noch nie den Fall, dass es "mein Buch" bisher nur gebunden gab.

Amazon oder Buchhandel? Amazon, fast ohne schlechtes Gewissen.

Lesezeichen oder Eselsohr? Lesezeichen, Was grad so da ist. Bei Chomsky hatte ich einen McDonalds-Gewinnaufkleber (ein Eis).

Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet? Autor, Genre.

Behalten, wegwerfen oder verkaufen? Zum Wegwerfen ist meine Sammlung bisher noch zu wenig umfangreich. Hab sogar noch die Sammlung Karl May, weil meine Mutter mir mit dem ersten Buch der Serie ein schlechtes Gewissen für meinen Bruder eingeredet hat. Der hat seine nämlich verkauft.

Schutzumschlag behalten oder wegwerfen? Nie wegwerfen. Stattdessen als einfaches oder doppeltes(!) Lesezeichen benutzen, wenn es Buchumfang und Lesefortschritt zulassen.

Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet? Wenn der Zug da ist.

Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern? Direkte und indirekte Empfehlungen. Bedürfnis, dazuzugehören (diese Schreibung hat bei Google gewonnen, ehrlich!).

Geschlossenes Ende oder Cliffhanger? Hat beides seine Existenzberechtigung.

Einzelband oder Serie? Einzelband. Man darf es den Schenkern nicht zu einfach machen, sonst muss man da irgendwann immer klarstellen, wenn man da grad keine Lust mehr drauf hat. (Ging mir bei der Wallander-Serie so.)

Lieblingsserie? Der Anhalter.

Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat? Schwierig, bei meiner gebildeten Leserschaft. :) Aber Arnold Stadler kann ich empfehlen. Der ist nur nicht so furchtbar unbekannt. Bin ich über den Spiegel draufgekommen, weil Martin Walser ihn da über den grünen Klee gelobt hat. Wenn das Leben mal nicht pathetisch genug ist:

Dann habe ich geweint. Ich habe so laut geschrien, daß die Bilder von der Wand fielen. Aber es hingen keine Bilder an der Wand, und sie wären nicht von der Wand gefallen. Und ich hörte auch bald auf zu weinen und ich machte etwas anderes. (Ich war einmal)

Page created
Comments? Use or send an e-mail.